Hans Voith von Voithenberg

Hans Karl Freiherr Voith von Voithenberg wurde am 29. August 1904 in München geboren und verstarb am 16. November 1978 in Bayreuth.

Seine Eltern waren: Johann Nepomuk (Hans) Freiherr Voith von Voithenberg (geboren in Groß-Drewice am 6.7.1875, verstorben in München am 26.3.1932) und Marie Sophie Johanna Christiana geb. Krippner (geboren in Würzburg am 20.9.1880, verstorben in Bayreuth am 4.1.1948). Sie heirateten am 3.10.1903. Er war königlich bayerischer Hofjunker und Major und von 1914 bis 1918 im Ersten Weltkrieg unter anderem am Frankreichfeldzug beteiligt.

Hans von Voithenberg ist in München im Stadtteil Lehel, Bürkleinstraße 4, als Einzelkind aufgewachsen und verbrachte eine sehr behütete Jugend. Von Herbst 1910 - Sommer 1914 verbrachte er seine Volksschulzeit in der Annaschule. In der Volksschulzeit hat er privat die französische Sprache erlernt, um mit zehn Jahren als Page beim letzten bayerischen König (Ludwig III; 1913-1918 König von Bayern) in Dienst treten zu können.

Von 1914 - 1923 besuchte er das Wilhelmsgymnasiums in München und wurde am 1. Juli 1918 durch allerhöchstes Signat König Ludwig III. in die königliche Pagerie aufgenommen. Sie war im Maximilianeum untergebracht. Wegen der Revolutionsereignisse wurde die königliche Pagerie am 10. November geschlossen. Die sog. Alten Pagen trafen sich aber weiterhin auch noch in den 1950er bis 70er Jahren, und anlässlich des 70. Pagentages gaben der Herzog und die Herzogin von Bayern einen Empfang im Schloss Nymphenburg.

Abitur, Studium und Beginn der beruflichen Tätigkeit
1923 legte er die Reifeprüfung am Wilhelmsgymnasium ab und begann das rechtswissenschaftliche Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1927 immatrikulierte er sich im Sommersemester an der Friedrich-Alexanders-Universität Erlangen und legte am 18. Februar 1928 das Referendarsexamen ab.

Im Sommersemester promovierte er auf Grund einer rechtshistorischen Dissertation über die "Lex Julia Miscella" bei Professor Dr. Bernhard Kübler mit dem Prädikat "magna cum laude" zum Doctor iuris utriusque.
Von 1928 - 1931 absolvierte er den Vorbereitungsdienst als Referendar bei Justiz-und Verwaltungsbehörden sowie bei Rechtsanwalt Justizrat Dr. Stemmer in München.

Im Frühjahr 1931 hat er die große juristische Staatsprüfung (Assessorexamen) in München mit Prädikat bestanden und war ab 23. September 1931 als Rechtsanwalt bei den Landgerichten München I und II und dem Oberlandesgericht München zugelassen. Die anwaltschaftliche Tätigkeit übte er in der Kanzlei Justizrat Dr. Stemmer in München aus

21.09.1930 - Hans Voith von Voithenberg

21.09.1930 - Hans Voith von Voithenberg

Berufliche Tätigkeit

Am 10. März 1932 erhielt er eine Anstellung als Gerichtsassessor beim Amtsgericht Obernburg und nahm dort ab 1. April 1932 die Arbeit auf. Es folgten am 27. Juli die Ernennung in etatmäßiger Weise zum II. Staatsanwalt beim Landgericht Ansbach mit Wirkung zum 1. Oktober 1932 und dann ab 3. Oktober 1933 in etatmäßiger Weise die Versetzung auf die Stelle eines Amtsgerichtsrats am Amtsgericht Coburg mit Wirkung vom 1. November 1933. Am 28. Juni 1935 wurde Hans von Voithenberg vom Reichsminister der Justiz zum Leiter des Entschuldungsamts Coburg bestellt.

Im Dezember 1941 und am 22. Juni 1942 erfolgte jeweils eine Abordnung an das Landgericht Bamberg. Auf eigenes Ansuchen wurde er am 20. August mit Wirkung vom 1. September 1943 als Landgerichtsrat an das Landgericht Bayreuth versetzt. Eine Beförderung während der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft erfolgte nicht. Er hatte eine sehr distanzierte Haltung zu den Nationalsozialisten und dem Hitlerregime und verurteilte die Eingriffe der Partei in die Rechtspflege auf das Schärfste. Es war ihm eine Genugtuung, wenn er einen von der Partei Verfolgten vor Strafe oder einer allzu harten Strafe bewahren konnte. Gleichzeitig war er mit der Familie der Freiherren von Leonrod, insbesondere mit Ludwig, eng befreundet. Hans von Voithenberg war ein tiefgläubiger und sehr verschwiegener Mensch, der in der Bekennenden Kirche Mitglied war. Sein enger Freund Ludwig Freiherr von Leonrod ist als Widerstandskämpfer nach dem Hitlerattentat am 26. August 1944 in Berlin Plötzensee hingerichtet worden. Das Todesurteil vor dem Volksgerichtshof wurde von Freisler am 21. August 1944 gesprochen.

Einzug zum Militär und Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit nach dem 2. Weltkrieg
Ab 30. August 1944 musste Hans von Voithenberg neben der richterlichen Tätigkeit Wehrdienst als Flakwehrmann bei der leichten Heimatflak-Batterie 5/XIII Bayreuth ausüben. Jeden Monat war zehn aufeinanderfolgende Nächte lang jeweils von 18:00 Uhr bis 6:00 Uhr militärischer Dienst zu leisten; die Flakstellung befand sich beim Frankengut an der Bahnstrecke zwischen Kreuzstein und Röhrensee in Bayreuth.
Am 26. September wurde er mit dem 1000-Mann-Transport zum Einsatz im Operationsgebiet Italien abgestellt und zog am 28. September in Verona, San Michele extra, in die Kaserne ein. Am 3. Oktober erfolgte der Transport auf Lastwagen nach Onè di Fonte (bei Bassano) mit einer für den Luftnachrichtendienst ausgewählten Gruppe zum Lehrgang der 15. Kompanie des Luftnachrichten-Regiments 200. Am 15. Oktober erfolgte das Kommando zum Kompaniequartier ins Schlösschen Ca'Falier bei Asolo und am 17. Oktober die Versetzung zum Regimentsstab als einzeln reisender Soldat mit der Eisenbahn über Bassano - Vicenza nach Colognola ai Colli bei Verona. Der Regimentsstab wurde nach Grezzana -Villa Bertani- am 21. Januar 1945 verlegt und im April erfolgte der Rückzug von Grezzana in vorbereitete Quartiere in Sarnthein bei Bozen. Genutzt wurde die Straße am Ostufer des Gardasees. Bei Garda kam es zum Verlust der Lastkraftwagen durch Fliegerbeschuss. Nachdem die Brände in den Tunneln der Gardesanastraße bei Malcesine gelöscht waren, gelang es, am zweiten Tag über Riva-Pietramurata-Toblino die Brennerstraße bei Trient und schließlich Bozen und Sarnthein zu erreichen.

Es folgte die Zeit der Kriegsgefangenschaft von Mai bis September 1945 in einem britischen Lager bei Cesenatico, von September bis Dezember in einem belgischen Lager südlich von Mons (sehr erniedrigend, wie er schrieb) und von Januar bis Mai 1946 in U.S.-Amerikanischen Lagern in Namur, Ingolstadt und Stephanskirchen.

Nachdem 1945 nach der Kapitulation die gesamte Staatsgewalt von der alliierten Militärregierung ausgeübt worden war, kam es erst nach und nach zum Aufbau deutscher Gerichte und Behörden. Mit Urkunde vom 10. November 1948 wurde Hans von Voithenberg zum Landgerichtsrat beim Landgericht Bayreuth wiederernannt.

Dazu trug sicherlich auch die Aussage von Clara Freifrau von Leonrod vom 12. Mai 1946 gegenüber dem Landgericht Bayreuth bei:

"Hans Freiherr von Voithenberg war als Jugendfreund unserer Söhne viel in unserem Haus und von meinem Mann und mir wegen seines verlässigen und in jeder Hinsicht wertvollen Charakters sehr geschätzt. Ich kann bezeugen, daß Hans Freiherr von Voithenberg in seinen Anschauungen stets mit der in unserem ganzen Familien-Kreise herrschenden gegnerischen Einstellung zum nationalsocialistischen Regime in Einklang gestanden ist.

Als Beweis für die in unserer Familie vertretene Ansicht ist wohl die Tatsache, daß mein Ältester Sohn Ludwig Freiherr von Leonrod als Militär der Gegenbewegung des 20. Juli 1944 beteiligt war und von dem sogenannten Volksgerichtshof zum Tode verurteilt worden ist."

gez. Clara Freifrau von Leonrod

Oberhofmeisterswitwe 12. Mai 1946

Dr. Hans Freiherr Voith von Voithenberg erhielt am 30. November 1955 die Beförderung zum Landgerichtsdirektor. Er hatte viele Jahre die Aufgabe als Scheidungsrichter und dies veranlasste ihn am 17. September 1957 zum Übertritt in den Dienstbereich des Bayerischen Innenministeriums und Ernennung zum Verwaltungsgerichtsdirektor beim Verwaltungsgericht Bayreuth mit Wirkung vom 15. Oktober 1957. Am 28. März 1962 wurde er zum ständigen Vertreter des Verwaltungsgerichtspräsidenten ernannt. In Vertretung für den Präsidenten war er am 4. Oktober 1963 als Gast der Regierung von Baden-Württemberg bei den Feiern im Schloss zu Mannheim zum 100. Jahrestag der Begründung der Verwaltungsgerichtsbarkeit.

Am 1. September 1966 konnte er auf eigenen Antrag in den Ruhestand versetzt werden.

Oktober 1944 - Hans v.V. in Colognola ai Colli in Italien

Oktober 1944 - Hans v.V. in Colognola ai Colli in Italien

Ehe und Familie

In Hof a. d. Saale heiratete Dr. Hans Freiherr Voith von Voithenberg, am 28. Dezember 1942 standesamtlich und am 13. Februar 1943 kirchlich, Gerda Emmy Louise Ernstine Freiin von Waldenfels aus dem Hause Gumpertsreuth. Geboren ist diese am 16. September 1909 in Bayreuth, als Tochter von Fritz Freiherrn von Waldenfels, königlich bayerischer Oberleutnant a. D. und Rittergutsmitbesitzer und Emmy, geb. Wunnerlich.

Die Ehefrau Gerda arbeitete die gesamte Kriegszeit als Lehrerin, und in Bayreuth an der städtischen Höheren Handelsschule. Sie lehrte nicht nur in den Fächern Kunst und Englisch, die sie studiert hatte, sondern musste flexiblen Einsatz leisten, da nach Kriegsende sehr viele belastete Lehrer aus dem Schuldienst genommen waren.

Sie arbeitete unter anderem in der amerikanischen Verwaltung, da sie als Unbelastete und Englischlehrerin wertvolle Übersetzungsdienste leisten konnte. So erlebte sie die Anhörungen vieler Bayreuther Bürger, die so genannte Persilschein-Aktion (Parteipolitisches Sauberwaschen) und begleitete das "Reeducation-Programm" der Amerikaner - die Erziehung der Deutschen zur Demokratie.

Als Hans von Voithenberg wieder in den Staatsdienst aufgenommen war, wurde seiner Ehefrau Gerda 1949 von staatlicher Seite nahegelegt, ihre dienstliche Tätigkeit als Lehrerin aufzugeben.

Am 6.2.1950 kam die einzige Tochter des Ehepaares, Erdmute Maria Emmy, in Bayreuth zur Welt.

Das veranlasste Ehefrau Gerda dazu, sich ganz der Malerei zu widmen und den Beruf der Lehrerin im Schuldienst aufzugeben.

Schriftstellerisches Schaffen

Hans von Voithenberg war ein Mensch mit vorwiegend geistigen und künstlerischen Interessen, von hoher humanistischer Bildung und feiner Empfindung. Er befasste sich eingehend und vertieft mit Geschichte, war unglaublich belesen und verfügte über gute Menschenkenntnis. Er war humorvoll, feinsinnig und konnte feine Spitzen setzen, er erkannte, auch aus seiner beruflichen Tätigkeit heraus, gewisse Situationskomik, die er verarbeitete. Alle diese Eigenschaften spiegeln sich in seinem gesamten schriftstellerischen Werk wider.

Schon zu Schulzeiten hat Hans von Voithenberg Theaterstücke geschrieben und mit seinem Vetter und seiner Cousine zur Aufführung gebracht. Die Cousine Rita Pauer war mit Franziska Bilek, der Karikaturenzeichnerin zusammen in der Volksschule. Sie selbst malte und zeichnete schon in Jugendjahren ausgezeichnet und fertigte für die Theaterstücke Bühnenbilder und Kostüme. Zum Teil wurden die Stücke musikalisch durch die Mutter Marie begleitet, die sehr gut Klavier spielte. Hans von Voithenberg sang in seiner Jugend sehr gerne Lieder von Schubert und seine Interessen lagen neben der Schriftstellerei besonders in geschichtlicher und historisch-archivarischer Tätigkeit.

So sammelte und katalogisierte er bereits in früher Jugend für die spätere Familiengeschichte der Familie Voith von Voithenberg Daten, Urkunden und viel anderes Material aus Archiven, Kirchenbüchern, Tagebüchern. Er stellte ausgehend vom Stammsitz der Familie Voithenberg in Voithenberg und Herzogau (Schlossgut und Gutsbetrieb mit Brauerei, ehemaligem Hammerwerk, Glasherstellung, Waldungen etc.) die Familiengeschichte zusammen. Auch im weiteren Berufsleben führte er die Suche fort und verfasste dann später, nach seinem Eintritt in den Ruhestand, die Familiengeschichte Voith von Voithenberg. Die Familiengeschichte gibt eine Übersicht über die Mitglieder der Familie mit Stammtafeln, eine Übersicht über die Hauptstammlinien ab 1562 und biographischen Zusammenstellungen bis zum Jahre 1970.

Er verfasste außerdem zahlreiche Gedichte, Theaterstücke, Kurzgeschichten und Hörspiele. Für seine Kasperltheaterstücke bekam er von dem renommierten Literaturkritiker Albert von Schirnding eine besondere Anerkennung. Er verglich seine Kasperl-Theater-Stücke mit denen vom sehr bekannten Franz Graf von Pocci.

Reisen
Reisen bildet, erweitert den Horizont und von Reisen ließ er sich inspirieren.

In den 30er Jahren unternahm er schon verschiedene weitere Reisen, was nicht alltäglich war. Besonders Schiffsreisen in die Türkei, nach Italien oder nach Ungarn waren sein Ziel. 1934 führte ihn eine Mittelmeerreise mit der "Monte Rosa" nach Venedig, Istanbul und Rabbat. Italien war für ihn das Traumland. Er konnte Italienisch und kannte das Land besonders intensiv durch Geschichte, Kunstgeschichte und Literatur. Griechenland war das zweite besonders wichtige Reiseziel.
Nach seiner Heirat mit Gerda unternahmen beide viele Reisen, die von gemeinsamen Interessen geprägt waren. Sie finden ebenso in den Reiseskizzen und dem Oeuvre von Gerda von Voithenberg ihren Niederschlag, wie in den Werken von Hans von Voithenberg.

1934 - Reise nach Venedig mit der Monte Rosa

1934 - Reise nach Venedig mit der Monte Rosa

Wissenschaftliche und heimatkundliche Veröffentlichungen
  1. Inaugural-Dissertation - Die "Lex Julia Discella", 1928, Universitätsverlag R. Noske, Borna-Leipzig
  2. Pfändung von Effekten ... in Zeitschrift: Rechtspflege in Bayern, 1932, S. 74.
  3. Das Stammbuch des Gilg Bastian Voit von Berg in Mitteilungen des ST. MICHAEL-Vereins 1932, S. 5 u. 33
  4. Das Hammergut Vorderlangau in Die Oberpfalz Jahrg. 1958, S. 166.
  5. Ein Familienstreit vor 200 Jahren in Die Oberpfalz Jahrg. 1960, S. 143.
  6. Das Glashüttengut Grafenried in Jahrg. 1962, S. 51.
  7. Wolf Eitel Pelckhofer muß emigrieren in Die Oberpfalz Jahrg. 1963, S. 106.
  8. Der Flinderer. über Kommunbraurechte in Pegnitz und Umgebung in Archiv für Geschichte von Oberfranken 44. Band, 1964, S. 231.
  9. Das Hauswesen eines kurbayerischen Offiziers in der Oberpfalz im Jahre 1731 in Die Oberpfalz Jahrg. 1967, S. 54.
  10. Die Bayern marschieren in Bamberg ein in Frankenheimat 1967 Nr. 3.
  11. (als Herausgeber) Peter Franz Ludwig von Gernler Erinnerungen (1767 - 1850) in Archiv für Geschichte von Oberfranken - Historischer Verein Oberfranken, 49. Band, 1969, S. 1997 -239.
  12. Das Glashüttengut Herzogau in Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, 110. Band 1970 S. 241 ff.
  13. Fränkischer Heimatbote, Monatsbeilage des "Nordbayerischen Kurier", 10. Jahrgang, Nr. 2 - 1977, "Kristallsehen ein Zauberbrauch in alter Zeit."
  14. Historischer Verein Oberfranken, 1978, Band 57/58, Gutsherrliche Gerichtsbarkeit in Brandenburg - Culmbach - Bayreuth.
  15. Historischer Verein Oberfranken, 1974, Band 54, Das Ritterlehen Göppmannsbühl.